In Nordwersten des Landkreises Harburg, in Appel, ist Heinrich Thomas zu Hause.

Aufgewachsen in Behringen, im Wartburgkreis in Thüringen, kam Heinrich schon früh mit Geflügel in Kontakt. Als 12 jähriger waren es Strasser, Coburger Lerchen und Rhodeländer, die seine Stallungen beherbergten. Abgesehen von der Lehrzeit, hielt Heinrich sein ganzes Leben lang Tiere.

1963 erwarb er dann ein 10.000 m² großes Naturgrundstück in Appel, im Landkreis Harburg, das mit einem alten Honigspeicher bebaut war. Sofort zogen auch wieder Tiere ein, zuerst Hühner und Wildschweine, die in einem großen Gatter gehalten wurden. Heinrich, von Beruf Malermeister, errichtete dann über mehrere Jahre, fast ausschließlich in Eigenarbeit, ein schmuckes Einfamilienhaus. Mittlerweile bewohnt der Sohn das große Haus und Heinrich hat in einer zweiten Bauphase den alten Honigspeicher durch Umbau und Anbau eines Wintergartens zu Altersitz für sich und seine Frau umgebaut.

Hobbymäßig schlägt Heinrich’s Herz für Oldtimer Autos und die vom Aussterben bedrohten Haustierrassen. Neben Hühner, werden auch Schafe, und weiße gehörnte Heidschnucken, in Appel gehalten. Heute ist es so geregelt, dass Heinrich’s Sohn sich um die Schafe kümmert und Heinrich sich ganz dem Geflügel widmet. Waren es zuerst die Aylesburyente, die Sundheimer- und Ramelsloher Hühner, die Heinrich züchtete, so kümmert er sich heute konsequent um die Deutschen Sperber und weiterhin um die Ramelsloher im weißen und gelben Farbenschlag. Die Sundheimer Hühner, die mittlerweile auf der roten Liste in der Kategorie IV (unter Beobachtung, aktuell nicht gefährdet) geführt werden, wurden 2013 innerhalb des NGZV Klecken an Timo Arndt übergeben. Stattdessen widmet Heinrich Thomas sich dafür nun intensiv den Deutschen Sperbern, die in der Kategorie II (stark gefährdet) geführt werden und 2012 Rasse des Jahres in der GEH waren. Konsequenterweise war die GEH (Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V.) auch die erste Organisation, der Heinrich beitrat. Heute ist er dort Rassebetreuer für Sundheimer, Ramelsloher und Deutsche Sperber.

Aber auch die Rassegeflügelzucht, weckte immer schon sein Interesse. Durch regelmäßige jährliche Schaubesuche in der näheren Umgebung, war Heinrich mit dem Procedere der Rassegeflügelzucht gut vertraut und 2006 erfolgte dann der Eintritt in den NGZV Klecken und Umgebung. Wenn Heinrich auch betont, dass ihm die Ergebnisse auf den Geflügelschauen nicht so wichtig sind, stellte sich zwangsläufig auch der Erfolg ein. So wurde er 2010 in Erfurt Deutscher Meister mit den weißen Ramelsloher, 2011 gelang ihm gleiches in Hannover auf dem gelben Ramelsloher Farbenschlag. Neben Groß- und Sonderschauen -Heinrich ist Mitglied im SV der Ramelsloher und der Deutschen Sperber-, werden aber auch selbstverständlich kleinere Ortschauen besucht. Die Ortsschau seines Stammvereins NGZV Klecken, aber auch die wohnortnahen Schauen in Sittensen und Buxtehude haben einen festen Platz im Terminkalender.

Neben dem großen Eigengrundstück wurde noch einmal die gleiche Fläche Wiese hinzugepachtet, so dass ein direkter Zugang zu Fluss Este besteht und optimale Bedingungen für Geflügel- und Schafzucht vorherrschen. Separate Stallungen für Hähne und Hennen, sowohl eingezäunte und von oben überspannte kleinflächige, als auch absolut großflächige Auslaufflächen, bieten ein Optimum für die Aufzucht der Junghühner. Für besonders vielversprechende Junghähne stehen spezielle Hahnenboxen mit vorgelagerter Kleinvoliere zur Verfügung, so dass die Hähne einzeln gehalten und Bissschäden an Kamm-und Kehllappen ausgeschlossen werden. Neben der Mitgliedschaft in der GEH und im BDRG engagiert sich Heinrich auch noch in einer dritten Organisation, der IEG. Die Initiative zur Erhaltung alter Geflügelrassen ist ein am 11. Januar 2008 in Deersheim (Harz) gegründeter, bundesweit agierender Verein mit dem Ziel, die genetischen Ressourcen beim Geflügel durch Haltung und Weiterzüchtung alter und vom Aussterben bedrohter Geflügelrassen zu erhalten. In der Initiative schlossen sich Züchter unterschiedlichster Interessen zusammen. Neben reinen Hobbyzüchtern des Bundes Deutscher Rassegeflügelzüchter (BDRG) und Mitgliedern der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) finden sich auch wirtschaftlich orientierte Nebenerwerbslandwirte und Höfe des ökologischen Landbaus, die an der Vermarktung ihrer Produkte und entsprechend guten Leistungen der Tiere interessiert sind. In der IEG hat Heinrich den Zuchtring für die gelben Ramelsloher initiiert. Unter dem Link https://www.erhaltungszucht-gefluegel.de/index.php?id=191

können Interessierte detaillierte Angaben zu den Zielen und Aufgaben des Zuchtrings nachlesen.

Jährlich zieht Heinrich ca. 150 Küken und zusätzlich 40 Küken für den Zuchtring auf. Nicht unerwähnt bleiben dürfen die jährlich ca. 100 – 150 Küken, die Heinrich an Günter Fielmann abgibt. Fielmann -als Brillenhersteller ein Begriff- engagiert sich außerdem im Natur- und Umweltschutz, in der Denkmalpflege und im Öko Landbau. Günther Fielmann macht dies als Bio-Bauer und Öko-Landwirt unter anderem auf Gut Lütjensee in Schleswig – Holstein. Hier werden die von Heinrich Thomas gelieferten Küken aufgezogen, die Hennen als Legehennen gehalten und die Hähne als Schlachthähne für die Gastronomie des Schweriner Schlosses, die ebenfalls von Fielmann Konzern betrieben wird, verwertet. Insofern ist es absolut nachvollziehbar, wenn Heinrich immer wieder fordert, dass die vom Aussterben bedrohten Rassen eine gewisse Wirtschaftlichkeit erbringen müssen. Die Impfung der Küken gegen Marek ist für Heinrich selbstverständlich. Von einer Impfung gegen Kokzidien sieht er allerdings ab. Alternativ füttert er die Küken mit Putenstarten, dem er bis zur 10 Woche Haferflocken beimischt. Danach mischt er den Putenstarten mit Legehennenfutter und füttert hiermit die Jungtiere. Unterstützt wird die Fütterung durch selbst hergestelltes Weichfutter, dem er viel Oregano aber auch geschrotete Eicheln, wegen der Gerbsäure, beimischt.

Heinrich Thomas ist ein Paradebeispiel dafür, dass sich die Ziele des BDRG, der GEH und der IEG keineswegs ausschließen, sondern sich sinnvoll ergänzen lassen.

Text und Bilder: Volker Niemeyer