Karl Heinz Weselmann kam schon früh mit Geflügel in Berührung. Aufgewachsen im Winsener Ortsteil Luhdorf, hatte die Familie gewissermaßen berufsmäßig mit Geflügel zu tun. Die Eltern betrieben eine Geflügelschlachterei und einen Geflügelhandel und Karl Heinz begleitete seinen Vater von klein auf  bei den Fahrten über Land zu den Geflügelhaltern, wo die Tiere aufgekauft wurden.

Als 10 jähriger Junge bekam er dann zu Ostern, statt der üblichen Ostereier, sein erstes Paar Hochbrutflugenten mit Haube geschenkt, das vom Harburger Wochenmarkt stammte. In den 1960 Jahren war es in Harburg durchaus noch üblich, lebendiges Geflügel auf dem Wochenmarkt zu handeln. Verschiedene Tauben und Zwerghühner vervollständigten seinen Tierbestand und das ein oder andere, besonders schöne Exemplar, wurde dann, meist von den Eltern unbemerkt, vom Verkaufswagen in den eigenen Tierbestand überführt. Karl Heinz war zu diesem Zeitpunkt weder Mitglied in einem Geflügelverein, noch betrieb er eine planmäßige Zucht, vielmehr vermehrte er die Tiere und erfreute sich an unterschiedlichen Formen und Farben. Er war übrigens der einzige der fünf Geschwister, das sich für Geflügel interessierte.

Erstmalig Kontakt zur Rassegeflügelzucht bekam Karl Heinz als siebzehnjähriger, als plötzlich der allseits bekannte und umtriebige Geflügelhändler und NGZV Mitglied Manfred Bellmann auf dem elterlichen Hof in Luhdorf auftauchte und starkes Interesse an den Strasser Tauben von Karl Heinz zeigte. Ein Geschäft kam an diesem Tag aber nicht zustande. Doch Manfred Bellmann ließ nicht locker. Immer wieder suchte er den Hof in Luhdorf auf und versuchte, Karl Heinz einen Beitritt in den Geflügelzuchtverein schmackhaft zu machen. 1976 zog Karl Heinz Weselmann mit seiner aus Helmstorf stammenden Frau in die Lindhorster Heide und trat dann auch dem NGZV Klecken bei. Die Hochbrutflugenten mit Haube zogen mit von Luhdorf nach Lindhorst und als erste Hühnerrasse wurden Bruteier vom New Hampshire Altmeister Fritz Pahl aus Westerhof beschafft. Die Bruteier wurden in der Brutmaschine einer Bekannten ausgebrütet und die Küken ohne große Verluste aufgezogen. Vor der Ausstellung wurden die Tiere von Günter Harz durchgesehen und der sortierte sämtliche Hähne wegen schiefer Brustbeine aus. Der Fehler lag aber beim Züchter, da Karl Heinz die Hähne zu früh aufbäumen ließ und zudem zu schmale Sitzstangen verwendete. Ein typischer Anfängerfehler, der die gesamte Nachzucht für Ausstellungen untauglich machte. 1981, als Karl Heinz wieder einmal mit seinem Vater über Land fuhr, um Gänseküken zu kaufen, sah er das erste Mal Brakel in gold im Freilauf auf einem Hof. Die Brakel lösten dann die New Hampshire ab, waren in der Qualität aber eher mäßig. Günter Harz sah sich regelmäßig die Tiere an und letztlich blieben nur 1,1 übrig, die dann die Zuchtbasis stellte. Über die Jahre stieg die Qualität der Tiere kontinuierlich an und so folgte dann auch das erste ‚vorzüglich‘ auf einer Ortsschau in Klecken.

1990/1991 wurde das eigene Haus gebaut. Wollte die Frau lieber ein kleines Grundstück mit guter Infrastruktur in einem Klecker Neubaugebiet, so hat sich Karl Heinz aber letztlich durchgesetzt und ein 3.100 m2 großes Grundstück im Helmstorfer Moor erworben. Im hinteren Grundstücksteil befindet sich eine Quelle und sorgt natürlich für beste Voraussetzungen bei der Wassergeflügelzucht. Die Brakel und die Hochbrutflugenten, die während der Bauphase nur auf Sparflamme gezüchtet wurden zogen somit in die Helmstorfer Moorstraße. Qualitativ konnten die Hochbrutflugenten während der gesamten Zeit nicht zulegen und mussten schließlich 1994 weißen Landenten mit Haube weichen, die Karl Heinz auf dem Pattensener Geflügelmarkt von Manfred Bellmann beim Züchter Wilhelm Rabeler aus Dahlem kaufte. Die Landenten werden heute noch in beachtlicher Qualität gezüchtet. Das frische Quellwasser sorgt naturgemäß für eine Topkondition, allerdings ist das eisenhaltige Wasser der weißen Gefiederfarbe nicht unbedingt zuträglich, so dass die Landenten auf einem separaten Teich gehalten werden. Langsam wuchsen auch die beiden Töchter heran und wurden Mitglied in der Jugendgruppe des NGZV Klecken. Als kindgerechte Rasse wurden Chabos angeschafft, die bei Hartmut Renken beschafft wurden. Die Brakel mussten schließlich den Vorwerkhühnern Platz machen, die zu der damaligen Zeit noch sehr selten waren und auf der roten Liste standen. Die Tiere stammten von Heinrich Thomas, der wiederum Bruteier vom mehrmaligen Deutschen Meister Erich Assmann aus Northeim bezogen hatte. Landenten mit Haube, Vorwerkhühner und Chabos hatten mittlerweile eine beachtliche Qualität erreicht, die bis heute gehalten und punktuell ausgebaut wird. Ein ständiger freundschaftlicher Austausch mit dem Spitzenzüchtern Renken (Chabos) und Assmann (Vorwerk Hühner), die Mitgliedschaft im SV der Entenzüchter, SV Vorwerk/Zwerg Vorwerk und SV der Chabozüchter, sowie der Vergleich mit anderen Züchtern auf Großschauen, hat das Gefühl für die gezüchteten Rassen geschärft, so dass Karl Heinz heute ganz genau einschätzen kann, wo er mit der jeweiligen Zucht steht. Derart zielgerichtet, stellten sich die Erfolge letztlich auch ein. Mehrmaliger Vereinsmeister im NGZV Klecken, erfolgreicher Aussteller auf Großschauen in Hannover u.a Blaues Band, Leipzig und Erfurt und als Krönung Europameister 2012 in Leipzig aus 1,3 Chabos silberweizenfarbig (1*HV 96, 3*sg 95), sind kein Zufallsprodukt. Zukünftiges Ziel ist einmal die Erringung der Deutschen Meisterschaft, an der ehrgeizig gearbeitet wird.

Neben den drei beschriebenen Rassen werden noch Ziergänse und Zierenten, die allerdings nicht ausgestellt werden und nur aus Liebhaberei auf einem separaten Teich gehalten werden und als neue Errungenschaft Warzenenten, schwarz-weiss-gescheckt, gehalten. Mit den Warzenenten stellte sich 2019 der erste Erfolg ein, als Karl Heinz Vereinsmeister in der Sparte Groß- u. Wassergeflügel wurde. Allerdings blieb das nicht die einzige Auszeichnung, auch in der Sparte große Hühner gelang mit den Vorwerkhühner, 2019 das Double.

Karl Heinz züchtet mit jeweils 1,2 Warzenenten und Landenten mit Haube, drei Stämmen Vorwerkhühnern und diversen Stämmen Chabos, die teilweise 1,1 gehalten werden. Er hat zwei eigenen Brutmaschinen in Betrieb und macht bei den Hühnern in der Regel zwei zeitlich unterschiedliche Bruten.

In der Familie und bei seiner Frau findet Karl Heinz absoluten Rückhalt für sein Hobby. Die Töchter sind zwar nicht mehr aktiv in der Geflügelzucht, dafür ist aber Schwiegersohn Timo Arndt, der vorher keinerlei Bezug zum Rassegeflügel hatte, aktiv und züchtet Sundheimer weiß-schwarzcolumbia. Er ist ebenfalls Mitglied im NGZV Klecken und im SV der Sundheimer.

Beim NGZV Klecken wurde Karl Heinz nach dem Tod von Friedrich Wilhelm Sander zum Zuchtwart für Hühner und Zwerghühner gewählt und führt das Amt mit großer Leidenschaft aus. Besonders Neueinsteiger und Hühnerhalter finden bei ihm immer ein offenes Ohr. Für die altgedienten Züchter bereichert er jährlich die Versammlungen mit Fachbeiträgen. Auf unserer Ortsschau organisiert er federführend die Verkaufsabteilung. Auch bei unserer neusten Aufgabe, der Unterstützung des Gymnasiums am Kattenberg in Buchholz mit dem Projekt Schulhühner, steht Karl Heinz in forderster Front.

Karl Heinz hat die Geflügelzucht von der Pike auf gelernt und dabei den ein oder den anderen Fehler selbst machen müssen, weil zu damaliger Zeit vielleicht kein Zuchtfreund zur Verfügung stand, der ihm wertvolle Tipps hätte geben können. Umso authentischer sind heute seine Tipps in der Beratung  von Neueinsteigern und sein fachlicher Austausch mit altgedienten Züchtern.

 

Text und Bilder: Volker Niemeyer